Interview: Weshalb diversitätsorientiertes Arbeiten ein Gewinn fürs Theater ist

nachtkritik.de · By Janis El-Bira · 20 May 2026 · read at the source →

"Es reicht nicht, dass man sich untereinander mag."

20. Mai 2026. 2025 wird eine Premiere an der Berliner Schaubühne abgesagt. Es hätte um Rassismus gehen sollen. Die beteiligte Schauspielerin İlknur Bahadır spricht zusammen mit der Diversitätsagentin Yuvviki Dioh darüber, warum ausgerechnet rassismuskritische Projekte scheitern – und wie es anders geht.

Interview von Janis El-Bira

20. Mai 2026. "Aus künstlerischen Gründen", hieß es im Januar 2025, müsse die Premiere der Produktion "Territorium" abgesagt werden. In dem Stück, das motivisch lose an einen Kriminalfall aus der jüngeren chilenischen Geschichte angelehnt war, und Rassismus und koloniale Ausbeutung hätte verhandeln sollen, war die Schauspielerin İlknur Bahadır für die Hauptrolle besetzt. Bahadır hätte auch eigene Diskriminierungserfahrungen und autobiographisches Material in die Arbeit einbringen sollen. Heute sagt sie, das Projekt habe bei ihr eine Retraumatisierung ausgelöst.

Yuvviki Dioh ist Diversitätsagentin am Schauspielhaus Zürich und eine der profiliertesten Expert*innen auf diesem Feld im deutschsprachigen Raum. Häufig hat sie in ihrer Arbeitspraxis mit Projekten zu tun, in denen es auch gegen jede Absicht zu Verletzungen kommt. Sie sagt: Diversitätssensible Arbeit ist keine Gefahr für die Freiheit der Kunst, sondern ein Gewinn für das Theater insgesamt.

nachtkritik.de: İlknur Bahadır, Sie hätten im Januar 2025 in der Produktion "Territorium" auf der Bühne stehen sollen. Dazu kam es letztlich nicht. Wie hatte das Projekt für Sie begonnen?

İlknur Bahadır: Ich hatte damals eine sehr gute Beziehung zu einem Dramaturgen am Haus. Er wusste viel von meiner eigenen Diskriminierungsgeschichte der letzten 25 Jahre und fragte mich schon Monate vor Probenbeginn, ob ich bereit wäre, meine Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung in diese Arbeit einzubringen. Es ging dabei ausdrücklich auch um eine mögliche – ich zitiere den Dramaturgen – "große Retraumatisierungsgefahr". Trotzdem fühlte ich mich zum ersten Mal in meiner Laufbahn wirklich gesehen. Ich habe ohne Zweifel sofort Ja gesagt. Dann begann ein Prozess, in dem ich immer mehr autobiografisches Material liefern sollte. Ich bekam Hausaufgaben: Ich sollte über Erfahrungen mit rassistischen Rollenbildern, mit Sexualisierung, mit Klassenherkunft, mit Putzjobs schreiben. Sehr intime Dinge. Ich hatte aber nie eine Sekunde Misstrauen. Ich fühlte mich sehr beflügelt.

Wann kippte die Situation?

Bahadır: Sehr früh in den Proben. Ich hatte immer wieder betont, dass wir eine gemeinsame Grundlage bräuchten – Gespräche über Kolonialismus, Rassismus, Machtverhältnisse. Und vor allem, dass wir eine Begleitung während der Proben haben sollten, so wie dies etwa durch Diversitätsagent*innen wie Yuvviki Dioh am Schauspielhaus Zürich schon längst üblich ist, das ich bei meiner letzten Produktion als ein "role model" in diesen Themen erlebte. Ich kenne Situationen, in denen allein das Thema Rassismus im Raum eine hochbelastende Atmosphäre erzeugen kann. Auch die Reaktionen von weißen Menschen beim Thema Rassismus. Also das, was ich White Fragility nennen möchte. Genau davor hatte ich Angst.

Mir wurde gesagt: "Du kommst einfach immer zu uns, wenn irgendwas drückt. Wir finden immer eine Lösung." Am Theater gab es eine Theaterpädagogin, die zusätzlich zur Diversitätsagentin ernannt wurde, die wir aber weder in den Monaten der Vorbereitung noch in den Proben je sahen. Im Probenprozess entstand dann eine Atmosphäre, die für mich sehr angstbeladen war. Sobald ich mich an Diskussionen beteiligte, hatte ich das Gefühl, sehr schnell gesilenced zu werden und Aggression zu erfahren. Mir ging es nicht gut, ich buchte auf eigene Kosten Support bei einer externen Rassismusexpertin.

Und trotzdem habe ich jeden Tag wieder von Neuem gedacht: "Sie finden eine Lösung." Stattdessen war da eine große Überforderung, die auch der Regisseur, der ein toller Mensch und Künstler ist, nicht auflösen konnte. Kurz nach den Weihnachtsferien sagte er schließlich weinend die Premiere ab. Seine Worte auf unserer letzten Einzelprobe an mich waren: "Ich konnte dich nicht schützen."

Die scheinbar einleuchtende Logik ist: Wenn genug diverse Menschen im Raum sind, muss man gar nicht mehr eigens so dominant darüber reden. Das kann aber ein Fehlschluss sein.

Yuvviki DiohYuvviki Dioh, wie bekannt sind Ihnen diese und ähnliche Dynamiken aus Ihrer Arbeitspraxis als Diversitätsagentin, die regelmäßig fragile Prozesse am Theater begleitet?

Yuvviki Dioh: Solche Dynamiken können entstehen, wenn in Theaterproduktionen Geschichten über Marginalisierung erzählt werden – gerade, wenn es um rassifizierte Personen geht. Das sind sehr heikle, herausfordernde Vorhaben, die sehr viel Vorlauf und Vorarbeit benötigen. Es können schnell gesellschaftliche Machtverhältnisse, auch Privilegien reproduziert werden.

Das heißt, Verletzungen passieren oft unbewusst?

Dioh: Sie passieren auch, obwohl man eigentlich die besten Absichten hat. Man unterschätzt, was es braucht, um diese Räume "safer" zu gestalten. Es reicht nicht, Ideen zu haben. Es reicht auch nicht, dass man sich untereinander mag. Ich spreche immer wieder mit Leuten, die mir von künstlerischen Prozessen erzählen, in welchen plötzlich unvorhersehbar große Verletzungen entstanden sind, und wo die Beteiligten jetzt nicht mehr wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Die Schaubühne betont, dass damals im Ensemble und künstlerischen Team Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und auch Diskriminierungserfahrungen beteiligt waren.

Bahadır: Ja, aber das greift zu kurz. Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen mit Diskriminierung. Es gibt Unterschiede darin, wie man gelesen wird, welche Karrierewege man hatte, welche Ausschlüsse man erlebt. Ich war die einzige Spielerin im Raum, die nicht weiß gelesen wurde.

Dioh: Dieses Argument kenne ich aus meiner Praxis mit verschiedenen Institutionen gut. Die scheinbar einleuchtende Logik ist: Wenn genug diverse Menschen im Raum sind, muss man gar nicht mehr eigens so dominant darüber reden. Das kann aber ein Fehlschluss sein. Nur weil ich von einer Marginalisierungsform betroffen bin, heißt das nicht automatisch, dass ich dieselben Erfahrungen gemacht habe wie andere. Das können tatsächlich komplett unterschiedliche Perspektiven sein. Deshalb braucht es einen Raum, in dem wir uns verständigen können, wer eigentlich aus welcher Lebensrealität und Haltung spricht.

Bahadır: Bei uns ging es unter anderem um meine Rassifizierungs-, Diskriminierungs- und Sexualisierungsgeschichte. Aber jetzt stellen Sie sich vor, wir würden ein Stück über Vergewaltigung machen: Auch wenn dann vielleicht mehrere Frauen im Raum wären, die das erlebt hätten, würde das doch nicht bedeuten, dass wir dabei ohne professionelle Unterstützung auskommen würden. Das hat dieselbe Tragweite.

Im Zentrum Ihrer Schilderungen steht immer wieder der Raum der Probe. Es wird oft gesagt, dass Proben "safe spaces" sein sollten. Andererseits soll es doch auf Proben möglich bleiben, im Sinne des Probierens unfertige, vielleicht auch mal dumme Gedanken zu äußern. Muss "safe" da nicht für alle Beteiligten gelten?

Dioh: Das war natürlich und verständlicherweise eine ganz große Frage, als ich hier in Zürich angefangen habe. Vom Ensemble, aber auch von verschiedenen Regiepositionen: Was heißt das jetzt, dass da scheinbar "Bedingungen" an den Proberaum gestellt werden? Dass da jemand wie ich in meiner Funktion auch Proben besucht? In diesem Raum, der eh schon sehr fragil sein kann? Die Probe ist ein verletzlicher Raum, ein "heiliger" Raum auch, weil da von allen so viel gegeben wird. Wir hatten und haben sehr positive wie auch herausfordernde Situationen, die uns aber immer etwas gelehrt haben. Deswegen sage ich den Leuten immer: Ich begleite sehr gerne Proben und unterstütze so gut ich kann, aber lasst uns das gut planen. Ich will auf keinen Fall, dass sie denken, ich komme mit dem erhobenen Zeigefinger und am Ende gibt's die Rüge.

Ist die Akzeptanz für diese Arbeit am offenen Herzen des Theaters, also der Probe, in den letzten Jahren gewachsen?

Dioh: Inzwischen beobachte ich in meiner Praxis gerade am Schauspielhaus Zürich, aber auch an anderen Institutionen solche Probenbesuche respektive Probenbegleitungen als gut erprobt und etabliert. Dabei probieren wir kontinuierlich, aus vergangenen Herausforderungen zu lernen und etwaige Maßnahmen früh in Prozesse zu integrieren. Ich glaube, in dem Moment, wo Menschen zusammen auf der Probebühne sind, braucht es gute Tools, gute Abmachungen, damit möglichst positiv und wohlwollend miteinander gearbeitet werden kann. Gerade für rassifizierte Personen liegen Toleranzgrenzen oft woanders. Aber es gibt auch da keine Antwort, die für alle und alles zutreffen würde. Deswegen spreche ich lieber von "safer spaces" als von "safe spaces". Wir können nicht davon ausgehen, dass nie eine Verletzung passiert. Wir brauchen sehr gute Konfliktmanagement-Werkzeuge. Wenn du eine Person anrempelst, sagst du ja auch Sorry und dann ist gut. Aber du wirst nicht wütend, wenn die Person sagt: "Kannst du mich bitte nicht anrempeln?"

Häufig ist zu hören, dass man solche Konflikte vor allem aus dem inneren künstlerischen Team heraus lösen will. Es soll möglichst nicht von außen auf diesen sensiblen Prozess eingewirkt werden.

Dioh: Unsere Arbeit Arbeit am Theater ist inhärent politisch. Weil sie mit Menschen, ihren Lebensrealitäten und ihren Geschichten zu tun hat. Weil wir Körper und Geschichten ins kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft einschreiben. Weil wir Leben erzählen oder nicht erzählen oder Gesellschaft erzählen oder eben nicht erzählen. Dementsprechend ist es doch bereichernd, wenn Perspektiven, die vielleicht nicht direkt in einen künstlerischen Prozess involviert sind, aber Expertise zu einem spezifischen Thema haben, in eine Produktion miteinbezogen werden.

Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen mit Diskriminierung. Es gibt Unterschiede darin, wie man gelesen wird, welche Karrierewege man hatte, welche Ausschlüsse man erlebt.

İlknur BahadırAber die Autonomie der Kunst muss doch gewahrt bleiben ...

Dioh: Mir geht es nicht darum, in Regiehandschriften reinzureden, aber ich möchte, dass genau hingeschaut wird. Dass Produktionsteams offen sind. Das klappt in den letzten Jahren immer besser, aber natürlich sind manche flexibler und offener als andere. Selbstverständlich hat das auch damit zu tun, dass manche stärker so durch eine Dominanzgesellschaft sozialisiert sind, dass es ihnen schwer fällt, sich selbst auch mal aus dem Zentrum herauszunehmen. Ich finde es völlig legitim, wenn POCs in so einem Fall sagen, dass sie kein Teil dieser künstlerischen Arbeit mehr sein können oder wollen. Die, die aber weitermachen wollen, weil sie ans Theater glauben, müssen zwingend von den Institutionen ernst genommen werden.

Aus dem damaligen Produktionsteam heißt es, dass man mit der Absage den Schutz der Beteiligten über die Premiere gestellt habe. Ist das nicht auch eine Form von Fürsorge?

Bahadır: Das finde ich als Argument ehrlich gesagt schwer auszuhalten. Mir wurde immer wieder vorgehalten: "Es wurde ein Stück abgesagt, İlknur." Es wurde über meine Resilienz gesprochen. Und zu allem Überfluss tauchte in meinem Auflösungsvertrag dann eine Verschwiegenheitsklausel auf, von der ich nicht einmal wusste, ob sie üblich ist. Erst eine Anwältin hat sie dann streichen lassen. Ich stelle die Frage: Warum hat das Theater eine Verschwiegenheitsklausel für nötig befunden? Was sollte nicht gehört werden?

Ich will betonen: Ich führe keine Fehde gegen dieses oder irgendein Theater. Es spielen und arbeiten dort weiterhin Menschen, die ich liebe und deren Kunst ich bewundere. Aber zu behaupten, man hätte mich am Ende schützen wollen, nachdem ich monatelang um Hilfe gebeten hatte, ist doch Wahnsinn.

Dioh: Solche Dynamiken sind Schieflagen, die strukturell bedingt sind. Und dieses Strukturelle gibt es überall. Deswegen ist es gut, dass es solche Stellen an Häusern gibt, die sich mit den strukturellen Fragen auseinandersetzen. Es ist für das Theater als Ganzes, als Kulturtechnik ein Vorteil, wenn sich Theaterschaffende mit den verschiedensten Menschen beschäftigen, die ebenso eine Passion fürs Theater teilen. Wir sagen und machen das alles ja nicht, um destruktiv zu sein. Wir tun es, um zu sagen: 'Das sind auch unsere Institutionen.' Und einige von uns opfern sehr viel für sie. Wenn an einem Theater eine Produktion abgesagt wird – dann komm die nächste ganz sicher. Aber die nächsten Produktionen kommen vielleicht nicht für Menschen wie İlknur.

İlknur Bahadır (*Türkei) ist Schauspielerin, Regisseurin, Künstlerin, Dozentin (ZHDK), Sprecherin (SRF). Studium: Psychologie Goethe-Universität, Schauspiel Otto-Falckenberg-Schule. Ihre Arbeiten beschreibt sie mit dem Begriff des "Spielens" im Sinne des elementaren Bedürfnisses, sich selbst und die Welt zu begreifen und einzuordnen. Spiel als handelnde, aktive Auseinandersetzung. Ihre Themen: Kinder, Familie, Kolonialismus, TV-Formate, Sexualität, Gewalt, Liebe, Tod. Leid wird mit anderen geteilt, beim Erzählen und Zuhören. Kunst ist Erzählen und Zuhören. Zuletzt zu sehen war sie unter der Regie von Wu Tsang am Schauspielhaus Zürich. Derzeit arbeitet sie an ihrer Performance "Making The World Clean" für den Basel Social Club während der Art Basel (14.-20. Juni 2026).

Dr. phil. Yuvviki Dioh, geboren 1991 in Zürich, ist seit Februar 2022 als Agentin für Diversität am Schauspielhaus Zürich tätig. Davor war sie in der (politischen) Kommunikationswissenschaft als Doktorandin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IKMZ) beschäftigt. Yuvviki arbeitet zu anti-rassistischen, queer-feministischen sowie macht- und gesellschaftskritischen Themen – auch in aktivistisch-kollektiven und öffentlichen Kontexten. Sie war zudem in verschiedenen Rollen und Funktionen (Schauspiel, Creative Consultant, Produktionsleitung, Vereinsleitung) in der freien Theaterszene in der Stadt Zürich unterwegs. Heute nutzt Yuvviki ihr über die Jahre hinweg gesammeltes akademisches und aktivistisches Wissen, um die diversitätsorientierte Organisationsentwicklung des Schauspielhaus Zürich nachhaltig mitzugestalten.

mehr porträt & reportage - Interview Diversitätsarbeit: Luxuriös - #1 - Pirandello

* Ich finde es immer wieder faszinierend – die Art und Weise, wie sich das deutsche Theater diesen Luxus erlaubt. Wir führen ein kleines Theater, und wir sind dankbar für jede Inszenierung, die wir auf die Bühne bringen können, um Menschen zu erreichen. Und bei uns spielen und arbeiten Menschen von den Rändern der Gesellschaft. Und sie sind die widerstandsfähigsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Aber hey – wir sind ja die Provinz; wir haben ja von nichts eine Ahnung.

(Übersetzung mit Google Translate - nachtkritik.de)

- Interview Diversitätsarbeit: Fachleute - #2 - Rainulf Arner

- Interview Diversitätsarbeit: Prioritäten setzen - #3 - poststruktur

Die Institutionen werden immer mehr Prioritäten setzen müssen. Zuerich kann sich eine Professorin als Diversitätsagentin leisten. Aber wir werden stärker darüber reden müssen, was eine Theaterinstitution sein soll und für wen und was die Struktur priorisiert.

- Interview Diversitätsarbeit: Muss man sich leisten können - #4 - Theater

Theater handelt von den großen Schmerz - Themen.

Im Schauspielhaus Zürich kann man sich, trotz leerer Säle und Vorstellungsabsagen einen hausinterne Psychologin ( die dazu im Ensemble ist!) und eine Diversitätsagentin leisten.

Bravo wer soviel Subventionen bekommt für so wenig Out Put.

Das es sich dabei um Luxus handelt und fern der Realität der hundert kleinen Häuser ist sollte auch NK klar sein.

Spielen - Schauspielen ist ein Menschenrecht .

Aber Niemand hat je gesagt das es einfach ist und ohne Schmerzen verläuft.

Wake up!?

- Interview Diversitätsarbeit: Meinung - #5 - Pex

- Interview Diversitätsarbeit: Profis konsultieren - #6 - Rainulf Arner

Im übrigen sind durchaus auch Menschen mit an sich theaterfremder Ausbildung nutzbringend am Theater tätig, das reicht von der Musik, dem Ton und dem Licht über das Make up bis zur Dekorations- und Kostümherstellung. Ohne all die fände keine einzige Theatervorstellung statt. Wenn es um etwas so Kostbares wie die menschliche Seele und die psychische Gesundheit geht, wüsste ich nicht, warum da nicht auch Profis konsultiert werden sollten.

- Interview Diversitätsarbeit: Im Dauerbeleidigtenbus - #7 - Beobachter

- Interview Diversitätsarbeit: Erfrischend - #8 - Thorsten Weckherlin

- Interview Diversitätsarbeit: Unverantwortlich - #9 - Beobachterin

- Interview Diversitätsarbeit: Danke für den Beitrag - #10 - olympe

Psychotherapeutinnen, Psychologinnen etc. arbeiten mit Individuen.

Vielleicht hätte es beim beschriebenen Falls beides gebraucht.

Grundsätzlich gehört das Thema Diversität allerdings unbedingt in die Häuser. Die grossen Theater haben hier eine Vorreiterrolle zu spielen und ihre Erkenntnisse an die kleineren Strukturen weiterzugeben.

Warum hier alle so hochgehen, ob des Versuchs ein konkretes Scheitern strukturell aufzuarbeiten verstehe ich nicht.

Die Diskussion über unfaire Ressourcenverteilung von grossen und kleineren Häusern ist eine wichtige, sollte aber nicht ausgerechnet bei diesem Thema instrumentalisiert werden, damit wieder alles so bleibt wie es immer war.

- Interview Diversitätsarbeit: Legitime Position - #11 - gras - Interview Diversitätsarbeit: Dilemma - #12 - Hallo

- das größere Dilemma solcher fragilen Arbeitsbeziehungen/ bedauerlichen Schicksale und auch Interviews darüber - wird in der Schlussfolgerung leider eher sein - dass sich Regisseure:innen und Intendant:innen thematisch abwenden, weil Sie es nicht leisten können oder Angst haben etwas falsch zu machen...

- Interview Diversitätsarbeit: So etwas kommt von so etwas - #13 - Clarissa

Sie ist damit kein Einzelfall, sondern typisch für das heutige Theater.

2021 sagte der Dramatiker und Regisseur René Pollesch der ZEIT, die Schauspielerinnen und Schauspieler, die er kenne, würden „kohärente Figuren“, also mit Psychologie und Entwicklung, langweilen. Bei ihm müsse „niemand anderthalb Stunden lang eine einigermaßen logische und kohärente emotionale Darstellung zeigen.“ Als ich dieses Interview gelesen habe, war ich erst erstaunt und hoffte dann, dass Pollesch eben nur „seine“ Schauspielerinnen und Schauspieler kennt, die sein Diskurstheater kennen und lieben. Aber mir vorzustellen, dass Schauspielerinnen und Schauspieler das nicht mehr gerne tun, was Schauspiel ursprünglich mal war, als wir im Kindergarten ein Krippenspiel aufführten, als wir Schultheater spielten: so tun, als wäre man jemand anderes, das war für mich kaum vorstellbar. Die Stimme verstellen, sich Kostüme anziehen und Perücken, sich schminken und einen anderen Gang zulegen, ihre Vergangenheit verinnerlichen, ihre Eigenheiten und Ticks, das sollen Schauspielerinnen und Schauspieler heute langweilig finden? Echt?

Das Diskurstheater, das sein Publikum für dermaßen dumm hält, dass man ihm sagen muss, was es zu denken hat, war ein großer Erfolg.

Ja, das moderne Diskurstheater, das Rollen verachtet, Figuren mit Psychologie veraltet findet und Spielen für Hollywoodkitsch hält, war eine Revolution. Nun frisst es seine Kinder.

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